FBS - DADA PENG - Experte für Moderne Sterbekultur

Moderne Sterbekultur

Wir alle wissen, dass wir sterben werden, aber oft ziehen wir es vor, diese Tatsache von uns fernzuhalten. Denn es scheint nicht einfach zu sein, sich mit dem Tod und dem Sterben zu beschäftigen. Unsere Gesellschaft gibt nicht viel Raum für eine gelebte Sterbekultur. Die Initiative Superhelden fliegen vor möchte dazu einladen, Tod und Sterben nicht einfach auszuklammern, sondern als einen wichtigen Teil des Lebens zu begreifen, den wir achtsam vorbereiten und aktiv gestalten können.

7 Fragen – 7 Impulse

Die Frank-Basten-Stiftung stellt Fragen an:
DADA PENG – Experte für Moderne Sterbekultur

1. Was fasziniert Dich besonders an einer modernen Sterbekultur?
Wir sind derzeit die erste Generation, die ihr gesamtes Leben in Freiheit und Frieden lebt und die Palliativmedizin flächendeckend in Anspruch nehmen kann. Das heißt, wir sind die ersten Menschen, die sich ernsthaft die Frage stellen können: Wie wollen wir sterben? Das finde ich faszinierend. Das Sterben ganz neu zu denken, die Sterbephase als vollwertige Lebensphase anzusehen und sie zu gestalten.

2. Wie schätzt Du die aktuelle Entwicklung einer modernen Sterbekultur ein?
Für mich gehört zu einer modernen Sterbekultur auch, dass sie digitaler wird. Da gibt es tendenziell einige gute Ansätze, aber die Entwicklung hängt trotzdem enorm hinterher. Da muss und darf mächtig aufgeholt werden.

3. Wenn Du König der Welten wärest: was würdest Du bzgl. einer modernen Sterbekultur als erstes veranlassen?
Leben und Sterben als Schulfach. Wir müssen frühzeitig anfangen dem Tod den Schrecken zu nehmen. Und der Umgang mit dem Tod kann viele Schwierigkeiten im Leben relativieren.

4. Welchen Nutzen hat die Gesellschaft von einer modernen Sterbekultur?
Die Zielgruppe beim Thema Tod beträgt 100%. Das gibt es bei fast keinem anderen Thema. Das heißt, je mehr wir eine moderne Sterbekultur anschieben, je mehr wir aktiv gestalten und uns gesellschaftlich mit dem Tod auseinandersetzen, desto mehr werden wir alle, jeder einzelne in unserer Gesellschaft, davon profitieren.

5. Was gibt es bei einer modernen Sterbekultur besonders zu bedenken?
Wir dürfen nicht außer Acht lassen, wie schnell sich unsere Gesellschaften mittlerweile verändern. Tabuisierte Themen wie Tod und Sterben, über die kaum öffentlich und in Familien gesprochen wird, die fallen also Jahr um Jahr um Jahrzehnte zurück. Da wird in Institutionen noch darüber diskutiert, ob man sich ein Facebook-Profil anlegt, wenn in anderen Lebensbereichen bereits mit Avataren und KI gearbeitet wird. Wir müssen die Sterbekultur ernst nehmen und innovative Chancen nutzen.

6. Wie könnte der Wissenstransfer einer modernen Sterbekultur in die Gesellschaft aussehen?
Er muss unbedingt digitaler werden. Der Wissenstransfer in fast allen Lebensbereichen, ob wir das gut finden oder nicht, findet mittlerweile in erster Linie digital statt. Und die Digitalisierung bietet gerade in der Sterbebegleitung und in der Sterbekultur große Chancen, da man auch bettlägerigen Menschen so, zumindest online, noch eine gewisse Bewegungsfreiheit schenken kann.

7. Was wünschst Du dir für die Zukunft?
Dass ich ein schönes Leben habe und einst genauso schön, selbstbestimmt, schmerzfrei und freudig sterben werde.


Vielen Dank für Deine Impulse!

Dada 1 by Hartmut Schoen

DADA PENG
ist Geschäftsführer von Superhelden fliegen vor gUG

dada-peng.com

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Interview geführt am 20. Juli 2022 – Veröffentlichung am 20. Juli 2022

 

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