7 Fragen - 7 Impulse Sophia Sowa Expertin Young Entrepreneurship

Young Entrepreneurship

Eine Generation, die Verantwortung übernimmt: „Wir sind junge Menschen unter 25, die gründen wollen, gerade gründen oder schon gegründet haben. Wir sind überzeugt: Unternehmertum ist eine der stärksten Kräfte, um unsere Gesellschaft zu verändern. Wir sind aber nicht hier, um uns in bestehenden Strukturen hochzuarbeiten. Wir sind hier, um neue zu bauen. Fairer, offener und zukunftsfähiger, als je zuvor“ (Auszug: Young Founders Charta)…

7 Fragen – 7 Impulse

Die Frank-Basten-Stiftung stellt Fragen an:
Sophia Sowa – Expertin für Young Entrepreneurship

1. Was fasziniert Dich besonders an dem Themenfeld Young Entrepreneurship?
Was mich besonders fasziniert, ist die schiere Bandbreite an Möglichkeiten, die sich jungen Menschen damit eröffnen. Als junger Mensch hat man oft noch einen unverstellten Blick auf die Welt und genau das ist eine enorme Stärke. Man hinterfragt bestehende Strukturen, denkt quer und ist bereit, Risiken einzugehen. Denn je jünger man ist, desto geringer ist das persönliche Risiko. Weniger Verpflichtungen, mehr Spielraum, mehr Freiheit zum Ausprobieren. Gleichzeitig bekommt man schon früh die Möglichkeit, echte Verantwortung zu übernehmen und daran zu wachsen. Was mich dabei am meisten antreibt: Junge Menschen können schon sehr früh einen echten, nachhaltigen Impact auf die Gesellschaft haben, mit ihren Ideen, ihrem Mut und ihrer Energie. Sie haben also die Chance, die Welt täglich ein klein wenig besser zu machen.

2. Wie schätzt Du die aktuelle Entwicklung von Young Entrepreneurship ein?
Die Entwicklung ist so dynamisch wie nie zuvor. Durch KI und andere moderne Technologien war es noch nie so einfach und schnell möglich, eine Geschäftsidee in die Realität umzusetzen. Die Einstiegshürden sinken, die Werkzeuge werden mächtiger und das demokratisiert Unternehmertum enorm. Gleichzeitig sehe ich, dass das Bewusstsein für Entrepreneurship als Karriereoption bei jungen Menschen wächst. Was früher als riskant galt, wird heute immer mehr als mutige und attraktive Lebensgestaltung wahrgenommen.

3. Wenn Du Königin der Welten wärest: was würdest Du bzgl. Young Entrepreneurship als erstes veranlassen?
Mein erster Schritt wäre eine grundlegende Vereinfachung der deutschen Bürokratie, speziell mit Blick auf junge Gründerinnen und Gründer. Es kann nicht sein, dass der erste Schritt in die Selbstständigkeit vor allem eines bedeutet: sich durch einen Dschungel aus Formularen, Vorschriften und unklaren Zuständigkeiten zu kämpfen. Wer mit 20 oder 22 Jahren eine Idee hat und loslegen will, sollte dafür begeistert werden und nicht entmutigt. Eine gründerfreundliche, schlanke und digitale Verwaltung wäre ein Game Changer für den Standort Deutschland.

4. Welchen Nutzen hat die Gesellschaft von der Beschäftigung mit dem Themenfeld Young Entrepreneurship?
Der gesellschaftliche Mehrwert ist immens, besonders in der heutigen Zeit. Der deutsche Mittelstand, das Rückgrat unserer Wirtschaft, steht vor ernsthaften Herausforderungen: Fachkräftemangel, Digitalisierungsdruck, demografischer Wandel. Young Entrepreneurship kann hier auf mehreren Ebenen ansetzen. Junge Gründerinnen und Gründer entwickeln innovative Lösungen für bestehende Probleme und schaffen neue Arbeitsplätze. Gleichzeitig bietet das Thema eine konkrete Antwort auf die Unternehmensnachfolge-Krise. Je früher junge Menschen sich mit unternehmerischem Denken beschäftigen, desto eher sind sie in der Lage, die Fußstapfen der in Rente gehenden Unternehmensführungen zu übernehmen, und das ist für Deutschland eine riesige Chance.

5. Was gibt es bei dem Themenfeld Young Entrepreneurship besonders zu bedenken?
Ganz klar: Erfahrung kommt mit der Zeit und die meisten Young Entrepreneurs stehen noch ganz am Anfang ihrer unternehmerischen Lernkurve. Das ist völlig normal und keine Schwäche, sondern einfach Teil des Prozesses. Umso wichtiger ist es deshalb, dass Mentoring und Wissenstransfer durch erfahrene Unternehmerinnen und Unternehmer niedrigschwellig und leicht zugänglich sind. Mindestens genauso wichtig ist die Haltung, mit der man an das Thema herangeht: Fehler gehören dazu, Scheitern ist kein Makel, sondern der beste Lernstoff überhaupt. Diese Kultur des konstruktiven Umgangs mit Misserfolg müssen wir in Deutschland noch viel stärker etablieren.

6. Wie könnte der Wissenstransfer von Young Entrepreneurship in die Gesellschaft aussehen?
Da gibt es tatsächlich unglaublich viele Möglichkeiten und genau das macht das Thema so spannend. Ich glaube, es braucht einen Mix aus formellen und informellen Formaten. In der Schule und an Hochschulen sollte unternehmerisches Denken fester Bestandteil der Ausbildung werden, nicht als Pflichtfach, sondern als praxisnahe Erfahrung. Darüber hinaus spielen Netzwerke wie das Young Founders Network eine entscheidende Rolle. Sie schaffen Räume, in denen junge Menschen voneinander und von erfahrenen Gründerinnen und Gründern lernen können. Digitale Formate wie Podcasts, Social Media und Online-Kurse machen Wissen zugänglich, unabhängig von Wohnort oder Budget. Und schließlich brauchen wir mehr Role Models, die sichtbar sind und zeigen: Es ist möglich, jung zu sein und erfolgreich zu gründen.

7. Was wünschst Du dir für die Zukunft?
Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der junges Unternehmertum nicht mehr als Ausnahme gilt, sondern als selbstverständliche Option, gleichwertig zu klassischen Karrierewegen. Eine Gesellschaft, in der Mut belohnt wird, in der Scheitern als Schritt nach vorne verstanden wird und in der junge Menschen die Unterstützung und das Vertrauen bekommen, die sie brauchen, um ihre Ideen wirklich umzusetzen. Konkret wünsche ich mir, dass Netzwerke, Mentoring-Programme und politische Rahmenbedingungen zusammenwachsen, damit kein junges Talent an unnötigen Hürden scheitert. Und auf einer sehr persönlichen Ebene wünsche ich mir, dass wir in zehn Jahren auf eine Generation junger Gründerinnen schauen, die selbstverständlich Verantwortung übernimmt, Unternehmen aufbaut und die Wirtschaft mitgestaltet, weil sie früh gelernt hat: Das ist auch mein Weg.


Vielen Dank für Deine Impulse!

7 Fragen - 7 Impulse Sophia Sowa Expertin Young Entrepreneurship

Sophia Sowa
ist Gründerin von Qlug und stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Young Founders Network e.V.

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Interview geführt am 30. April 2026 – Veröffentlichung am 05. Mai 2026

 

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